André Lichtschlag: Liberale müssen an der Seite der politisch Verfolgten 1945-49 stehen

Posted By admin On 17. Juni 2008 @ 14:33 In FDP/Liberale, Interviews, Politische Verfolgung 1945-49 | 5 Comments

Interview des Göttinger Kreises mit André Lichtschlag, dem Herausgeber des liberalen Magazins eigentümlich frei, über Eigentumsrechte, die Konfiskationen 1945-49 und die Haltung der Liberalen.

DerRechtsstaat.de: Für welches Profil steht das Magazin eigentümlich frei? Wer sind Ihre Leser und was sind ihre zentralen Themen?

Lichtschlag: Wir haben bei der Gründung vor zehn Jahren einen Namen für unser Magazin gewählt, der unser Programm werden sollte. Es geht um Eigentum, genauer: Privateigentum, als den Schlüssel zur Freiheit. Menschen unterscheiden sich in ihrer Vorstellung vom Glück. Und erst mit seinem Eigentum kann jeder tun und lassen, was er für richtig hält, eben ganz eigentümlich und freisinnig.

Im Kontrast dazu steht der politisierte Massenmensch als eine Nummer, austauschbar und gewöhnlich. Er muss andere um Erlaubnis bitten und wird dabei feige und verlogen. ef steht also für werteorientierte Wahrhaftigkeit und für Freiheit durch Privateigentum und Marktwirtschaft. Leider sind Werte, Wahrheit und Wirtschaft stark bedroht durch immer neue Steuer- und Abgabenerhöhungen, durch Einmischung des Staates in intimste Bereiche durch Rauch-, Trink- und Essverbote, Diskriminierungsgesetze, Dosenzwangspfand, Zwangsmülltrennung und Windkraftsubventionierung auf Kosten aller, durch Meinungsgebote und Redeverbote, durch zunehmende persönliche und wirtschaftliche Überwachung, durch Wegfall des Bankgeheimnisses und vieles mehr.

Privateigentum ist der Schlüssel zur Freiheit

Statt Freiräume zu gewinnen und persönliche Verantwortung für sich selbst und andere möglich zu machen, werden immer neue Abhängigkeiten geschaffen, so dass heute nicht zu Unrecht bereits viele von einer „DDR light“ sprechen. Die reale Staatsquote inklusive versteckter Steuern und Abgaben wie GEZ oder IHK hat längst 70 Prozent überschritten. Zum Vergleich: In der Sowjetunion betrug die reale Staatsquote am Ende etwa 85 Prozent. 15 Prozent Markt in Nischen sorgten dafür, dass die Menschen nicht verhungerten.

Wir sind heute leider auf dem besten Wege in den dritten deutschen Totalitarismus. Diesen Weg zu stoppen und informativ und unterhaltsam für eine Umkehr zu werben, dafür steht eigentümlich frei. Unsere Leser sind die Intelligenten und Produktiven, zu mehr als 50 Prozent Selbständige mit kleinen und mittleren Betrieben, dazu ist unsere Leserschaft relativ jung und hoch gebildet, etwa 30 Prozent sind Schüler und Studenten.

DerRechtsstaat.de: Sie haben der politischen Verfolgung und Konfiskationen 1945-49 und dem fortgesetzten Verletztung des Rechtssstaates in der Bundesrepublik ein Schwerpunktheft gewidmet. Was hat Sie dazu bewogen?

Die FDP entwickelt sich entgegen dem Trend in die richtige Richtung.

Lichtschlag: Es ist ein Skandal, wenn eine sich als bürgerlich verstehende Regierung die kommunistischen Enteignungen der Vergangenheit fest- und fortschreibt. Und es ist leider ein Sinnbild der allgemeinen politischen Entwicklung, die uns wegführt von einem Staat, der das Eigentum und die Freiheit der Bürger schützt, und hinführt zu einer Politik, die längst selbst die größte Gefahr für das Eigentum und die Freiheit der Menschen geworden ist. Nichts macht diese traurige Entwicklung so deutlich wie eine von Union und FDP 1990 nachträglich legitimierte brutale kommunistische Enteignung.

Anlass für das Schwerpunktheft war also erstens dieser Skandal. Zweitens waren es aber auch erste zaghafte Anzeichen der Besserung, die wir etwa an der FDP-Initiative aus Niedersachsen ablesen. Überhaupt dürfen wir bei der Gelegenheit feststellen, dass wenigstens die FDP sich entgegen dem großen Trend in den letzten Jahren ein wenig in die richtige Richtung entwickelt hat. Die FDP am Ende der Amtszeit Helmut Kohls war ein unwürdiger Ersatzkanzlerwahlverein, der jegliches Verständnis für Freiheit und Wahrhaftigkeit verloren hatte. Vergleicht man den heutigen Zustand der Partei damit, dann muss man bei aller Kritik im Detail grundsätzlich Guido Westerwelle ein Lob aussprechen! Dies gilt im besonderen Maße auch für die mutige Initiative von Philipp Rösler. Der dritte wesentliche Anlass für das Schwerpunktheft war ein interner, nämlich der unermüdliche Einsatz unseres Autors Gérard Bökenkamp im Zusammenhang mit dieser Thematik. Von ihm wurde zuerst ich für das Thema begeistert und dann, da er den Schwerpunkt federführend betreut hat, wurden unsere Leser in umfasssender Weise aufgeklärt.

DerRechtsstaat.de: Welche Forderung haben Sie als unabhängiger Publizist in dieser Frage an die Politik?

Lichtschlag: Zieht Eure gierigen Finger raus aus den Taschen der Bürger! Zumindest bürgerliche Parteien sollten bürgerliche Positionen vertreten. Und das heißt, dass der Staat wo immer möglich Eigentum verteidigen muss und nicht selbst zum Dieb werden darf. Da wo Diebstahl stattgefunden hat, muss entschädigt werden. Ein solch elementares Rechtsverständnis haben bereits kleinste Kinder, die Mein und Dein sehr früh unterscheiden können. Unsere Politiker sollten das auch wieder lernen.

DerRechtsstaat.de: Als Herausgeber von eigentümlich frei sind Sie ein intimer Kenner und selbst eine zentrale Figur der liberalen Kreise, die es in und außerhalb der FDP gibt. Sehen Sie gemeinsame Ziele der politisch Verfolgten 1945-49 und dieser liberalen Szene?

Lichtschlag: Selbstverständlich! Der klassische Liberalismus ist unvereinbar mit Hetzjagden, Enteignung und Staatshehlerei, wie sie gegenüber den politisch Verfolgten 1945-49 betrieben wurde. Wer sich also ernsthaft als Liberaler bezeichnet, der kann nicht nur, er muss gegenüber diesem Unrecht an der Seite der Verfolgten stehen.

Wer sich ernsthaft als Liberaler bezeichnet muss an der Seite der Verfolgten stehen

DerRechtsstaat.de: Glauben Sie, dass es möglich ist mit den vorhandenen Potentialen in Deutschland eine Kraft zu schaffen, um das Recht auf Eigenum in jeder Hinsicht wieder herzustellen und zu stärken?

Lichtschlag: Ja. Die FDP ist auf einem, wenn auch langsamen, so doch richtigen Weg. Weniger erfreulich ist die Entwicklung der CDU. Die Union hat als organgefarbenes Vollzugsorgan der Sozialdemokratie langfristig keine Zukunft. Der einst bürgerlichen Partei laufen die in den letzten Jahrzehnten vom Staat immer mehr ausgebeuteten Leistungsträger, die Nettosteuerzahler, in Scharen davon. Das fällt nicht so stark auf, weil zwischenzeitlich die Staatsprofiteure als Wähler aufgrund des furchtbaren Zustandes der SPD hinzukamen.

Wenn über Jahrzehnte hinweg Leistung immer mehr zugunsten der Nettostaatsprofiteure bestraft wird, dann bleiben als Wähler eben auch nur nur diese übrig. Das Problem: Für diese zwischenzeitlichen Wähler ist irgendwann eine echte Linkspartei attraktiver als die CDU-Imitation. Die Jungen, beruflich Mobilen und Selbständigen suchen im Wahlverhalten und mehr und mehr auch, was den Lebens- und Arbeitsstandort betrifft, das Weite, nur weg von dieser ausbeuterischen Union und diesem kleptokratischen Deutschland.

Die Auswanderungswelle aus der Gruppe der Leistungsträger wächst mit jedem Jahr stärker an, irgendwann wird unter diesem Tsunami die einstmals bürgerliche CDU begraben liegen. Damit wir uns nicht falsch verstehen: Mir geht es nicht nur um den ökonomischen Verfall, sondern in erster Linie um den moralischen. Ein Beispiel: Die traditionelle bürgerliche Familie ist längst zum Opfer des Ersatzvaters Sozialstaat geworden, der immer mehr Menschen unmündig macht und ihnen durch Rundumbetreuung den Antrieb zur Selbstversorgung und Eigenverantwortung nimmt. Und ausgerechnet die CDU mit ihrer Übermutterministerin ist heute ganz vorne dabei, wenn Politiker auch noch die Lufthoheit über die Kinderbetten gewinnen wollen.

Geschichte ist nie zwangsläufig und es ist nie zu spät zur Umkehr

Andererseits ist Geschichte nie zwangsläufig und es ist nie zu spät zur Umkehr. Entweder erfindet sich die CDU nach Merkel und Rüttgers doch noch einmal neu. Oder es wird sich auch in Deutschland eine neue politische Kraft formieren, die fast überall in Europa bereits entstanden ist. Die Nachfrage nach einer bürgerlich-freiheitlichen, gegenüber der nationalen und vor allem der Brüsseler Bürokratie sehr kritischen, wertegebundenen Anti-Establishment-Partei ist auch in Deutschland riesengroß. Täglich rufen mich Leser an, die danach fragen, wo und wann ein solches Projekt starten könnte. Aber der Erfolg einer neuen Freiheitspartei hängt zu allererst vom Personal ab. Solange Friedrich Merz nicht will und solange keine andere charismatische, mitreißende und glaubwürdige Persönlichkeit hervorgetreten ist, werden die Bürger warten müssen.

Sie warten allerdings immer ungeduldiger. Kürzlich machte der „Spiegel“ nach dem Referendum in Irland eine breite „abgrundtiefe Verachtung der politischen Klasse“ als europaweites Phänomen aus. Tatsächlich ist das Ansehen der Politiker auf einen unterirdischen Stand angelangt, der vor 30 Jahren noch völlig undenkbar war. Jeder Gebrauchtwagenhändler genießt heute mehr Ansehen als unsere Politiker. Die vielfältigen Gründe für die breite Verachtung der politischen Klasse verdichten sich geradezu beispielhaft im skandalösen Umgang gegenüber den Verfolgten von 1945 bis 1949. Die Bürger sind entsetzt über immer hemmungsloser angehobene Steuer- und Abgabensätze und damit über den dreisten Diebstahl und die bürokratische Umverteilung. Es ist eben gerade nicht sozial gerecht, wenn Leistung bestraft und Faulheit oder Spitzfindigkeit belohnt werden. Und die Bürger sind empört über die Unwahrhaftigkeit des politischen Personals, das sich im doppelten Wortsinne immer wieder in die eigene Tasche lügt.

Kontakt:

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5 Comments (Open | Close)

5 Comments To "André Lichtschlag: Liberale müssen an der Seite der politisch Verfolgten 1945-49 stehen"

#1 Trackback By Kevin On 30. Juli 2014 @ 16:49

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ñïñ!…

#2 Trackback By herman On 23. November 2014 @ 23:34

[3] ” rel=”nofollow”>.…

ñïñ çà èíôó….

#3 Trackback By mathew On 16. Dezember 2014 @ 14:14

[4] ” rel=”nofollow”>.…

thanks!!…

#4 Trackback By tyrone On 18. Januar 2015 @ 21:00

[5] ” rel=”nofollow”>.…

tnx for info!…

#5 Trackback By lloyd On 23. Januar 2015 @ 04:37

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good!!…


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