Von Redaktion DerRechtsstaat.de

Ein jetzt veröffentlichtes zeithistorisches Dokument wirft wichtige Fragen zur Bewertung der “Bodenreform” und damit zu einer möglichen Wiedergutmachung des Unrechts auf. Den Opfern der politischen Verfolgung 1945-1949 im Rahmen der sogenannten “Bodenreform” wird Rehabilitierung und Wiedergutmachung von den Gerichten bis heute vor allem deswegen versagt, weil die Verfolgungsmaßnahmen in der Verantwortung der sowjetischen Besatzungsmacht gelegen haben soll.
Die “besatzungshoheitlichen” Maßnahmen seien darum nicht, wie etwa die Verfolgungen zu DDR-Zeiten, durch die Rehabilitierungsgesetze wiedergutzumachen, besagt die derzeitige Rechtsprechung noch immer.
Die Gerichte entscheiden bis heute so, obwohl inzwischen die Lüge von der angeblichen sowjetischen Bedingung zur Wiedervereinigung, die die Grundlage für diese Gesetze bildet, widerlegt ist.

Tageszeitung “Volksstimme” veröffentlicht wichtiges Dokument zur Bodenreform

Doch wie stellt sich der Vorgang der “Bodenreform” im Licht der historischen Forschung wirklich dar? War es eine Maßnahme, bei der die Sowjets wirklich das Sagen hatten? Oder war Planung, Regelung und Durchführung dieser politischen Verfolgung in der Hand der Deutschen Kommunisten?
Die in Magdeburg mit einer Auflage von rund 200.000 Exemplaren erscheinende Tageszeitung “Die Volksstimme”, die zum Bauer-Verlag gehört, hat jetzt ein wichtiges zeithistorisches Dokument zur “Bodenreform” veröffentlicht, das etwas ganz anderes zeigt:
Die Bodenreform war demnach eine “rein deutsche Angelegenheit”. Die Sowjets seien lediglich “neugierig” gewesen und daher von den Deutschen Komunistischen Behörden zu informieren.
Bei dem jetzt veröffentlichten Dokument aus den Beständen des Magdeburger Landesarchivs handelt es sich um das Originalprotokoll einer Rede, die der kommunistische Landrat von Genthin, Paul Albrecht, vor den Ortsbodenkomissionen des Landkreises Jerichow II am 14. September 1945 in Genthin hielt.

Die wichtigste Passage des Papiers lautet: “Vor uns steht dann noch die Arbeit, das von Ihnen gebrachte Material zu ordnen, durchzusortieren, zusammenzustellen, ins Russische zu übersetzen und der Besatzungsbehörde zu übergeben. Die interessiert sich nun einmal dafür, die will sehen, wie wir die Sache machen. Es ist zwar eine rein deutsche Angelegenheit, aber die Russen sind nun einmal neugierig und wollen wissen: Wie machen die Deutschen das eigentlich.”

An anderer Stelle beschreibt Landrat Albrecht, wie er als Verantwortlicher die Vertreibung der Verfolgten organisierte: “Ich werde aber eine andere Maßnahme ergreifen: Die Junker und Großgrundbesitzer, die in ihren Dörfern noch sind und jetzt enteignet sind, die werde ich so schnell wie möglich aus unserem Kreis ausweisen. Ich hoffe, daß wir damit in den Dörfern Ruhe bekommen und daß sie dann nicht mehr die Tränendrüsen unserer Einwohner rühren können. So lange, wie sie arbeitsfähig sind, werde ich ihnen Arbeit zuweisen lassen, und zwar durch Magdeburg. Die brauchen da drüben Aufräumungskräfte. Grundsätzlich werde ich also in den nächsten Tagen jeden einzelnen der Junker und Großgrundbesitzer ausweisen.”

Rücksichtsloser Kommunist mit “Herrenmentalität”

Landrat Albrecht, der durch eigenzüngige Denunziation seines Vorgängers Landrat wurde, war für die Enteignung von 45.000 Hektar Land verantwortlich. Er ging bei der Verfolgung der Landbesitzer äußerst rücksichtlos vor, wie die Volksstimme (in einem weiteren Artikel über die Biographie Albrechts, den Sie hier lesen können) berichtet. So soll er befohlen haben, eine Gutbesitzerin, die sich weigerte ihren Hof zu verlassen, in ihrem Bett abzutransportieren. Außerdem war er für die sinnlose Zerstörung zahlreicher Baudenkmäler verantwortlich. Zeitzeugen beschreiben bei ihm einen Hang zur “Herrenmentalität”. Albrecht wurde 1951 aus der SED ausgeschlossen. Grund: In der Nazizeit soll er Genossen an die Gestapo verraten haben, berichtet die Volksstimme.

Wer war wirklich für die “Bodenreform” verantwortlich?

Dieses Dokument macht deutlich: Es waren Deutsche Kommunisten, die als “Gesetzgeber” die Verfolgungsmaßnahmen der “Bodenreform” trafen und durchführten. Es waren Deutsche Kommunisten, die die rechtmäßigen Eigentümer verfolgten und vertrieben und das geraubte Land verteilten. Es waren Deutsche Kommunisten, die darüber entschieden, wer als “Naziaktivist” anzusehen war. Es waren Deutsche Komunisten, die jegliche Ein- und Widersprüche gegen ihr rechtsstaatswidriges Vorgehen niederwarfen. Und es waren die Deutschen Kommunisten, die die Besatzungsmacht über ihr Vorgehen informierten.
Kann man angesichts dieser Tatsachen die Darstellung aufrecht erhalten, für die “Bodenreform” sei die sowjetische Besatzungsmacht verantwortlich gewesen?

Lesen Sie nachfolgend den gesamten Text des Protokolls:

“Kreis-Insp. Benecke:
Genossen! Ich eröffne hiermit die Sitzung über die Bodenreform-Frage und erteile Herrn Landrat Albrecht das Wort.

Landrat Albrecht:
Liebe Freunde! Wir haben uns heute wieder einmal versammelt, um zu einer Reihe Fragen Stellung zu nehmen und um vor allen Dingen eine Anzahl strittiger Punkte zu klären. Das Schwere, das da vor uns steht, ist Ihnen ja allen bekannt aus Ihrer bisherigen Arbeit. Aber das erste von allen, das ist, einen genauen Überblick zu bekommen über den Stand unserer Bewegung überhaupt. Wenn wir mit Ihnen zusammenkommen, hören wir und werden zu Ihnen sprechen, sehen wir, daß Sie schon eine große Arbeit geleistet haben; aber eine Arbeit ist immer dann erst gar, wenn sie schwarz auf weiß auf dem Papier steht.

Wir müssen alles dem Papier anvertrauen, so daß die andere, übergesetzte Stelle, die Kreisbodenkommission, laufend im Bilde ist über den Stand der Bewegung. Wir sollen bis heute Mittag, 12 Uhr, einen Bericht abgeben über den Stand der gesamten Bewegung der Bodenreform des Kreises. Vor uns steht dann noch die Arbeit, das von Ihnen gebrachte Material zu ordnen, durchzusortieren, zusammenzustellen, ins Russische zu übersetzen und der Besatzungsbehörde zu übergeben. Die interessiert sich nun einmal dafür, die will sehen, wie wir die Sache machen. Es ist zwar eine rein deutsche Angelegenheit, aber die Russen sind nun einmal neugierig und wollen wissen: Wie machen die Deutschen das eigentlich.

Es ist notwendig, daß ich Sie darauf aufmerksam mache, hier noch eine Anzahl von Fragen durchzusprechen. In den letzten Tagen stellte sich folgendes heraus: Da kamen die verschiedenen Inspektoren von den einzelnen Gütern und sagte uns: Das Enteignen des Landes ist sehr schön, aber das Gut, wo ich Verwalter bin, ist nicht aufzuteilen, da müssen wir ein Saatgut draus machen.
Es ist bekannt geworden, daß wir eine Anzahl Güter bestehen lassen wollen, um die Zucht, die Saatzucht und die Viehzucht, bestehen zu lassen. Aber nun kommen plötzlich alle und erklären: unser Gut soll als Saatzuchtgut bestehen bleiben.
So geht das nicht. Das ist schon ein Stück Sabotage. Wenn eben die Bodenreform vorsieht, daß die großen Güter über 100 ha enteignet werden, dann werden sie enteignet, und wenn es heißt, sie werden aufgeteilt, dann werden sie aufgeteilt. Ich habe schon das letzte Mal gesagt, die größte Gefahr, vor der wir stehen, ist unsere deutsche Sentimentalität, unsere Gefühlsduselei. Wir sind alle sehr weich, und diese Weichheit wirkt sich diesmal wirklich drastisch aus.

Da schreibt man mir z.B.: “Familie von … (Name in Vorlage geschwärzt, die Red.) ist immer gut zu uns gewesen. Wir bitten, sie darum von der Enteignung auszunehmen.” Es ist gut gemeint von den Freunden dort im Dorf, aber das geht zu weit. Die Familie von … (geschwärzt) ist eben die Familie von … (geschwärzt), ist eben eine Junker-Wirtschaft; und aus der Familie von … (geschwärzt) ist mancher Offizier geboren, man hat das Land der Bauern genau so geraubt wie alle anderen Großgrundbesitzer auch. Ist es denn so etwas Schweres, wenn wir einmal eine Junker-Familie zwingen, ihr Leben genau so zu gestalten wie wir es von der Geburt an gestalten müssen. Ist es denn eine Strafe für diese? Er soll mit seiner Hand Arbeit sich ernähren.

Ich werde aber eine andere Maßnahme ergreifen: Die Junker und Großgrundbesitzer, die in ihren Dörfern noch sind und jetzt enteignet sind, die werde ich so schnell wie möglich aus unserem Kreis ausweisen. Ich hoffe, daß wir damit in den Dörfern Ruhe bekommen und daß sie dann nicht mehr die Tränendrüsen unserer Einwohner rühren können. So lange, wie sie arbeitsfähig sind, werde ich ihnen Arbeit zuweisen lassen, und zwar durch Magdeburg. Die brauchen da drüben Aufräumungskräfte. Grundsätzlich werde ich also in den nächsten Tagen jeden einzelnen der Junker und Großgrundbesitzer ausweisen.
Frau von -geschwärzt- z.B. erklärt: Ja, ihr könnt mir Grund und Boden enteignen, und ihr könnt mir auch das Gut enteignen, aber mein Hab und Gut könnt Ihr mir nicht enteignen, mein Heim könnt Ihr mir nicht nehmen. Aber sie irrt sich. Was sie auf einen Möbelwagen bringt, das kann sie mitnehmen, das andere bleibt drin, das brauchen wir wieder für den, den wir dort hineinsetzen. Wir werden ihr ein Bett mitgeben, einen Schrank, Tisch, Stuhl, ihre persönliche Wäsche, die sie unbedingt braucht; denn beschlagnahmt sind auch die persönlichen Dinge der bisherigen Besitzer. Wir geben ihnen aber so viel, wie sie benötigen.

Diese Tatsache bleibt also bestehen, daß wir diese Sentimentalität überwinden müssen, nicht, weil wir grausam sind, sondern weil wir gerecht sind. Ich bitte unsere Freunde, immer daran zu denken, daß wir ja gar nicht schlecht handeln. Wir mußten uns ja auch durch unserer Hände Arbeit Brot und Arbeit erwerben. Wir können nicht dafür, daß wir nicht mit blauem Blut geboren sind, und sie können auch nichts dafür, daß der Klapperstorch sie gerade in diesen Schornstein und sie gerade in dieses Bett geworfen hat. Also alle diese Anträge müssen wir von der Kreis-Bodenkommission rücksichtslos ablehnen. Wir ehren die Ansicht derjenigen, die da ein Wort einlegen wollen, aber die Enteignung ist 100%-ig, das betonen wir.
Ich habe schon gesagt, wir müssen hier sehr vorsichtig sein, wir wollen nicht jeden enteignen, der einmal im Dorf “Heil Hitler” gesagt hat oder der im Dorf aufgestanden ist und hat gesagt: “Der Hitler hat Recht”. Das ist kein Grund, ihn dafür zu enteignen. Er muß Aktivist gewesen sein, er muß eine führende organisatorische Rolle gehabt haben, er muß Ortsgruppenleiter gewesen sein oder eine andere Rolle, in der er Befehlsgewalt ausgeübt hat, innegehabt haben. Wenn er nicht (offensichtlich ist das Wort “nicht” an dieser Stelle ein Fehler, die Red.) Arbeiter denunziert hat, wenn er nicht (offensichtlicher Fehler, die Red.) Bauern der Gestapo gemeldet hat, wenn er sich Schändlichkeiten zuschulden kommen ließ, wenn durch ihn Menschen in Konzentrationslager gekommen sind, dann haben wir die Pflicht, ihm Grund und Boden zu nehmen.

Aber wir müssen vorsichtig prüfen. Unter keinen Umständen soll in den Dörfern der Eindruck erweckt werden, als ob eine Schar Räuber über sie hergefallen ist. Wir wollen das Volk nicht terrorisieren, sondern wir wollen dem Volk helfen, und unsere Bodenreform ist ein Weg, einen Teil der Schuld wieder gut zu machen, den die Nazis über das ganze Volk gebracht haben. Nicht wegen Kleinigkeiten, nicht aus persönlichen Rachegefühlen enteignen wir, sondern aus dem Gefühl der sozialen Gerechtigkeit heraus. Wenn wir ihnen das Land nehmen, ist es von uns keine Racheakt, sondern ein Akt der Wiedergutmachung. Damit wollen wir den anderen, die durch diesen Krieg in so schwere Not, in so schweres Leid gekommen sind, denen wollen wir einen Teil dieser Not lindern.
Sie haben die II. Ausführungsbestimmungen zur Bodenreform gestern in der Zeitung gehabt. Ich bitte die Kommission dringend, diese Ausführungsbestimmungen durchzulesen und noch eins: Ich habe betont, die Kreis-Kommission ist bereit zu helfen, und wir haben noch Schwächen, unsere Arbeit hat noch sehr große Schwächen. Weniger liegen diese Schwächen darin, daß wir alle Statistiken zusammen haben, aber die weitgehendste Schwäche, die wir haben, die liegt auf dem politischen Gebiet. Ich habe von Anfang an betont, unsere Aktion muss eine politische Aktion sein, die Bauern sollen überzeugt werden, was wir tun. In jedem Dorf muß den Bauern gesagt werden, warum wir die Bodenreform durchführen, das Verbrechen Adolf Hitlers am ganzen deutschen Volk muß ihnen noch einmal klar vor Augen gelegt werden. Aber es gibt bei uns auch noch Orte, in denen keine Versammlungen stattgefunden haben, und das ist eine große Schwäche unserer Arbeit.

Die Bauern dort müssen politisch unterrichtet werden. Es ist klar, die einzelnen Männer der Dorfkommission, von denen kann man doch gar nicht verlangen, daß sie in der Lage sind, sich politisch auf dem Laufenden zu halten. Man kann von den Männern der Dorfkommission im augenblicklichen Zustand nicht verlangen, daß sie politische Aufklärung an die Dorfbewohner geben. Aus diesem Grunde bitte ich Sie: Setzen Sie Versammlungen an, Sie brauchen keine Sorge zu haben, wenn Sie die Versammlung ansetzen und die Versammlung hierher melden an das Landratsamt, an die Boden-Kommission oder die K.P.D., so steht Ihnen unter allen Umständen ein Redner zur Verfügung. Ein Versetzen der Veranstaltung gibt es unter keinen Umständen. Sie können ohne Sorge Versammlungen ansetzen und melden uns: Morgen Abend findet bei uns eine Versammlung statt, und dann ist ein Redner dort, Sie haben dann die politische Unterstützung. Vergessen Sie nicht, daß das die ganze Grundlage unserer Arbeit ist. Wenn wir nur bürokratisch arbeiten, wird sich eine Mißstimmung bemerkbar machen. Die Bauern müssen aus innerer Überzeugung “ja” sagen.

Die Ausführungsbestimmungen verlangen z.B. genau, welche Arbeit durchzuführen ist. Z.B. sagen sie hier in Artikel 4 § 6: Die Gemeinde-Bodenkommission stellt folgende Listen auf: 1. Anwärter auf eine Bodenzulage. Hierzu ist die genaue Angabe des bisherigen Grundbesitzes, Eigentum und Pachtland nebst lebendem und totem Inventar notwendig. Ferner ist anzugeben, wie viele Menschen in dieser Wirtschaft beschäftigt sind und wie viele darauf wohnen. 2. Anwärter auf eine Neubauernstelle, das sind also Landarbeiter und Landwirte, die gar kein Land besitzen. In diese zweite Liste kommen alle, die kein Land besitzen und in die erste Liste die kleinen Bauern unter 5 ha. Die zweite Liste Landarbeiter und landlose Bauern. 3. Flüchtlinge und Umsiedler, die Neubauernstellen erwerben wollen. In der Provinz-Kommission sind die Listen dafür in Auftrag gegeben in einer Sitzung, die wir gestern mit der Regierung hatten, wurde uns gesagt, wir bekommen sie vielleicht morgen; ehe wir sie Ihnen zustellen könne, wird es vielleicht Ende der Woche.

Ich bin jetzt im Augenblick nicht im Bilde, wie viele Kommissionen schon bestehen, gestern waren es 76 Kommissionen, heute sind noch eine Anzahl dazu gekommen. Ich glaube, wir werden praktisch nur noch 1, 2 oder 3 Dörfer haben, in denen augenblicklich keine Kommissionen bestehen.
Aber es wurden uns zum größten Teil nur die Namen genannt, wir brauchen dazu folgende Angaben: Name, Beruf - wenn er ein Bauer ist, wie viel Land hat er zu eigen. Es sind uns Fälle bekannt geworden, daß in diesen Kommissionen Bauern sind mit 60-80 Morgen Land. Nach den Vorschriften des Gesetzes dürfen nur Bauern unter 5 ha Eigenland in der Kommission sein. Es besteht doch eine Gefahr, wenn diese größeren Bauern darin sind. Vergessen Sie nicht, daß da manches Wort gesagt werden kann, was Ihre Arbeit hindert. Denn diese größeren Bauern und Landwirte sind zum großen Teil alle miteinander verschwägert und vervettert, und wenn sie dann selber 80 und noch mehr Morgen haben, und es wird Stellung genommen zu der Enteignung eines aktiven Faschisten, und man ist irgendwie verschwägert mit diesem, dann kommen die Hemmungen. Diejenigen, die kein Land besitzen, sind bereit und befugt, in der Kommission zu entscheiden. Sie besteht aus Landarbeiten und landlosen Bauern, Flüchtlingen.

Wir dürfen niemals in die Lage kommen, daß einer der zur Enteignung Kommenden Klage einreichen kann späterhin mit der Begründung, da sind Formfehler vorgekommen, da hat man eine Kommission gebildet, die nach den Vorschriften des Gesetzes nicht maßgebend ist. Wenn Sie nämlich in einer Sitzung die Listen der Bodenanwärter aufgestellt und sie ausgehängt haben, und wenn Sie diese Listen dann in einer allgemeinen Versammlung abstimmen lassen, sind Sie vom Gesetz zum Gesetzgeber gemacht worden. Sie beschließen damit einen juristischen Akt.

Aber juristisch müssen wir auch dann den Wortlaut des Gesetzes einhalten. Wenn nun einer kommt und sagt, ich bin enteignet worden von einer Kommission, in der ein Bauer mit mehr als 5 ha Land ist, dann ist ein Fehler vorgekommen.

Die Anordnungen, die in den Ausführungsbestimmungen stehen, müssen Sie in Ruhe durchlesen. Über die Verteilung des Waldbesitzes kommen neue Anordnungen. Ich habe in unserem Kreis die Linie durchgeführt: Wir teilen zu: 5 ha Eigenland - Ackerland, gehen unter bestimmten Umständen mit Genehmigung der Kreis-Kommission, wo der Boden schlecht ist, auf 8 ha bis 10 ha. In erster Linie wollen wir Kleinbauern schaffen, recht viele Kleinbauern. Je mehr wir ansiedeln können, um so besser ist es ja. Wir wollen so viel wie möglich unterbringen, darum ist die Zahl der ha so niedrig gehalten. Die Anträge auf 15 ha usw. können nicht genehmigt werden. Diese Normen sind bindend für uns und wir müssen uns daran halten. Unter 5 ha verstehe ich allerdings Ackerland, die Wiesen und den Wald möchte ich dabei vollkommen außer acht lassen. Teilen Sie Ackerland zu, und einer sagt: Ich brauche noch ein Stück Wiese, dann wollen wir die Frage noch klären. Den Wald wollen wir vorläufig ganz außer acht lassen. Sie wissen, mein Bestreben ist es, möglichst viel Gemeindewald zu belassen. Über die Frage des Waldes aber wollen wir jetzt nicht reden. Zugeteilt wird also Ackerland.
Die Bildung der Komitees für gegenseitige Bauernhilfe können schon vor der Bodenaufteilung geschehen. Für uns habe ich die Anweisung gegeben: ab 25. Dezember. Da nehmen wir ein paar intelligente Menschen, die das Zuteilen und das Ausleihen der Werkzeuge und Maschinen auch wirklich durchführen können. Wir wollen diesen Komitees nicht nur die Aufgabe geben, für neu gesiedelte Bauernstellen die Maschinen auszuleihen, sondern sie sollen die Organe sein der gegenseitigen Hilfe, der Organisierung im Dorf. Wenn irgendwie Schwierigkeiten sind, dann soll er sich vertrauensvoll an das Komitee der gegenseitigen Bauernhilfe wenden, und dann soll das Komitee in der Lage sein, den Bauern zu helfen, so z.B. die gegenseitige Hilfe bei der Feldbestellung, bei der Ernte usw., denn ohne gegenseitige Hilfe ist unser Leben undenkbar. Wenn wir im Dorf nicht wirklich dieses zu verstehen schaffen, wird unsere Arbeit ohne Früchte sein, dann werden wir aus dem Chaos nicht herauskommen. Man muß es immer wieder in die Gehirne hineinhämmern: Nur durch gegenseitiges Zusammenstehen kommen wir über die Schwierigkeiten hinweg. Nicht der einzelne kann und soll sich retten, sondern wir wollen unser Volk retten, das ist die große Aufgabe, und der Einzelne wird dadurch gerettet. Die Komitees der gegenseitigen Hilfe wollen wir also organisieren.

Es wird auch noch genau angewiesen in den Ausführungsbestimmungen, was die einzelnen Fragen angeht, z.B. die Frauen. Ich konnte feststellen, daß nach diesen Ausführungsbestimmungen die Linie in unserem Kreis richtig gewesen ist. Ich hatte schon einmal gesagt: wenn eine Frau da ist, der Mann ist tot oder in Gefangenschaft, kann sie Land bekommen. Auch wir sind hier praktisch nur Männer unter uns, ein Beweis, daß wir immer noch von dem Gedanken ausgehen: Es gibt nur Arbeiten, die für die Männer organisiert sind, und da möchte ich erwähnen: In den Bodenkommissionen können auch Frauen sitzen. Wir wählen z.B. eine Gemeinde-Bodenkommission zur Unterstützung des Bürgermeisters, da werden z.B. 3 Männer und eine Frau vorgeschlagen. Es wird gefragt, wer dagegen ist, da meldet sich erst einer, dann schließlich alle drei, weil man eben einer Frau diese Tätigkeit nicht zutraut.
Hat z.B. einer gestohlen und kommt nach Genthin zur Aburteilung, wird er sich sehr wundern, denn da sitzt nämlich eine Frau als Amtsrichterin, und von ihr wird er in den Keller gesteckt. Aber so ist es. Lenin hat einmal gesagt: Eine Köchin muß in der Lage sein, den Staat zu regieren. Wir müssen uns von diesem Gedanken, daß die Frauen das nicht können, rücksichtslos lösen. Eine Frau kann auch Bauer sein; wenn der Mann nicht da ist, kann sie Land erwerben wie jeder andere auch. Weisen Sie bitte keine Frau ab, wenn sie landwirtschaftliche Kenntnisse hat, nehmen Sie die Frau an.

Nicht nur im Dorf wird so gedacht. Ich bekam vor einigen Tagen den Brief: “Ich habe festgestellt, daß in Parey eine Frau als Bürgermeisterin ist. Aus diesem Grund bewerbe ich mich um die Stelle der Bürgermeisterin.” Er bewirbt sich also darum, nicht, weil die Frau als Bürgermeisterin versagt, sondern weil es eben eine Frau ist als Bürgermeister. Dieser Mann ist also höchst empört darüber, daß eine Frau Arbeit leistet in der Öffentlichkeit. Die Tatsache bleibt bestehen, daß die Bürgermeister von dieser Bürgermeisterin in Parey manches noch lernen könnten. Diese rückständigen Gedankengänge dürfen in der Frage der Bodenreform nicht auftreten.

Der Plan der Aufteilung des Grund und Bodens ist in der Gemeinde sichtbar auszulegen. Spätestens nach 5 Tagen ist er in einer öffentlichen Versammlung der Landwirte und Bauern vorzulesen. Es ist eine Abstimmung vorzunehmen, die Abstimmung erfolgt öffentlich, sodann wird er zur Diskussion gestellt, und dann wird abgestimmt unter genauer Auszählung der abgegebenen Stimmen. Es wird ein Protokoll darüber angefertigt. Sie sind in der Minute Gesetzgeber. Es muß genau abgestimmt werden, die einfache Mehrheit entscheidet. Wenn 20 Personen abstimmen und 11 Stimmen für ihn und 9 dagegen, so hat er das Land zugewiesen bekommen. Aber das muß im Protokoll festgehalten sein, mit wie vielen Stimmen er das Land zugewiesen bekommen hat. Diese Stimmen müssen mit aufgezeichnet werden. An der Abstimmung nehmen nur diejenigen teil, die für die Bodenreform infrage kommen. Abstimmungsberechtigt sind nur die kleinen Bauern, auch wenn sie keine Bodenanwärter waren.
Bei der Verteilung des Bodens gehen wir hier vom Ackerland aus, denn nur vom Ackerland lebt man doch. Etwas befinde ich mich hier im Gegensatz zum Gesetz. Das Gesetz sieht vor: 5 ha Land sollen vergeben werden. Sievers, der Präsident von Halle, erklärt, es geht nicht anders, wir müssen so viel wie möglich unterbringen. Man soll als Grundlage aber zuerst einmal das Ackerland sehen, denn davon will er ja leben. Wir haben Grundstücke, wo man mit 20 Morgen nicht einmal leben kann. Das sind Einzelfragen, die die Bodenkommission klären kann. Zuhören können sie alle aus dem Dorf, auch die großen Bauern, aber Sie organisieren die Sache so, daß diese hinten sitzen und die Landarmen sitzen vorn zum abstimmen. Es soll alles öffentlich sein. Die Abstimmung machen die Landarbeiter und landarmen Bauern, ob sie Bodenanwärter sind oder nicht.

Zum Schluß habe ich noch eins zu sagen: für manche Bodenkommission ist es schwer, mit diesem Kram fertig zu werden. Kommen Sie ohne Hemmungen zu uns, wir wissen, daß der Kapitalismus unseren Bauern wenig von dem gegeben hat, was man Schulung nennt. Wenn die Bauern ihren Namen schreiben konnten und ein paar Zahlen zusammenzählen konnten, ist für den Kapitalismus die Schulungsarbeit zu Ende gewesen, denn dann hätten die Bauern ja angefangen zu denken, dann hätten sie plötzlich Bücher, auch andere Bücher lesen können. Er wollte das kapitalistische System: den Bauern dumm halten. Wenn der Bauer jetzt vor Schwierigkeiten steht in der Bodenkommission, wenden Sie sich an uns, die Kreisbodenkommission steht Ihnen sofort mit Helfern zur Verfügung. Wenn ein Hilferuf von Ihnen kommt, sind wir sofort dort und helfen Ihnen.
Bitte sorgen Sie dafür, daß die Fragebogen, die Sie nachher an der Tür in Empfang nehmen, auf das genaueste ausgefüllt werden. Da ist u.a. auch die Parteizugehörigkeit erwähnt, da wollen wir wissen, ob einer in den 4 Parteien des antifaschistischen Blocks ist, denn Nazis gibt es ja nicht mehr, die Partei ist ja aufgelöst, die ist weg. Wenn trotzdem noch da steht: NSDAP, dann holen wir ihn ab mit dem Knüppel, die Kommandantur hat uns freie Hand gegeben. In jedem Dorf können die Parteiinteressenten sich abends mal zusammensetzen und sagen; wir gründen in unserem Ort eine KPD, eine SPD, eine christlich-demokratische oder eine liberaldemokratische Partei. Diejenigen, die im Dorf eine Parteigruppe bilden, gehen nach Genthin, suchen die KPD oder SPD auf und sagen: Wir wollen eine Parteigruppe bilden, und die Partei in Genthin wird Euch unterstützen. In jedem Dorf können und sollen sich die Parteien bilden. Bilden sich mehrere Parteien im Dorf, müssen sie einen Block bilden. Sie kommen mit ihren Führern zusammen, besprechen bestimmte Fragen und treffen dann ihre Entschlüsse. Schaffen Sie diese Parteien, denn durch das politische Leben im Dorf wird unsere Arbeit leichter. Heißt aber die Frage einmal: “frühere Parteizugehörigkeit”, dann muß stehen, nicht was er heute ist, sondern was er früher gewesen ist: NSDAP. Das müssen Sie auseinander halten.

Dann zu der Frage der Flüchtlinge und Umsiedler. Sie müssen uns angeben, von wo sie kommen, welchen Beruf sie haben, wie viel Familienmitglieder, welche Parteizugehörigkeit. Wichtig dabei ist eins: Angesiedelt werden nur Bauern oder Landarbeiter. Setzen Sie nicht irgendwelche Schneidermeister ein als Bauern, die würden doch nach einem Jahr bankrott machen. Die Erfahrungen können Sie ihm doch nicht geben, und auch die gegenseitige Hilfe würde einen völlig ungeschulten Mann nicht in die Lage setzen, daß er Grund und Boden bearbeiten kann.

Dann brauchen wir aus jedem Dorf eine Liste der aktiven Faschisten, die enteignet werden sollen. Das Dorf muß angegeben sein, Name und Vorname, welchen Posten er in der Partei eingenommen hat, wie viel lebendes und wie viel totes Inventar vorhanden ist. Dringend benötigt werden ganz kurze Stimmungsberichte: Was sagen denn eigentlich die Bauern zu der Bodenreform, was sagen die Gutsbesitzer, die jetzt enteignet werden.
Nun noch eine wichtige Bemerkung: Die Bestellung wird von den bisherigen Besitzern geführt. Sobald einer sagt, jetzt geht mich die Sache nichts mehr an und steckt die Hände in die Hosentasche, wird er sofort aus der Gemeinde ausgewiesen zusammen mit seiner Familie. Er hat unter Ihrer Führung weiterzuarbeiten, die Arbeit muß mit gleicher Energie durchgeführt werden wie bisher, es darf nichts liegen bleiben.

In manchen Dörfern ist die Stimmung da, Land freiwillig abzugeben. Diese freiwilligen Abgaben soll man alle in einer besonderen Liste aufnehmen und sie mit lobenden Worten anschlagen. Man kann sogar in den Dörfern einen Appell erlassen unter dem Motto: Rettet die Heimat - Freiwillige Landspenden. Und darauf: Folgende Bauern spendeten so und soviel Land; darunter: Wir danken diesem Bauern usw. Das wirkt dann auch auf die anderen.”

Ende des Originaltextes

Sie können den Originaltext auch hier auf der Webseite der “Volksstimme” lesen.



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    land aufgehoben und die Öffent-
    lichkeit belogen.