Von Redaktion DerRechtsstaat.de

Diktaturen fürchten nichts mehr als die offene und nüchterne Beschreibung ihrer brutalen und menschenverachtenden Mechanismen. Der Dichter Jürgen Fuchs war ein unbeugsamer Chronist des DDR-Unrechts und geriet deswegen ins Visier der DDR-Staatssicherheit. Der Berliner Tagesspiegel erinnerte jetzt an Werk und Leben des verfolgten Dichters.

Seit er als 20-jähriger bei einer Unterhaltung über Hermann Hesse und Friedrich Nietzsche bespitzelt und wegen seiner Beschäftigung mit “bürgerlichem Gedankengut” verraten worden war, befasste sich der Stasi-Apparat mit stetig wachsender Intensität und stetig zunehmender Brutalität mit seiner Person.

Schon früh demaskierte Fuchs in seinen Werken mit lakonischen und treffsicheren Sätzen den omnipräsenten, allbedrohlichen und antiindividualistischen Charakter der Klassendiktatur: “Wer kein Vertrauen zu uns hat, wird zur Rechenschaft gezogen. Zu uns: Da sind immer viel mehr gemeint als die gerade Anwesenden.(…) Zu uns: Da sind immer ganze Mächte gemeint, Parteien, Regierungen, Körperschaften mit vielen Armen und Beinen, die weit greifen und sehr tief treten können.”

Die SED schloss den unbotmäßigen Autor, der sich trotz eingehender Ermahnungen wegen seiner Herkunft aus einer Arbeiterfamilie nicht davon abbringen ließ, Kritisches und Nachdenkliches über den Arbeiter- und Bauernstaat zu schreiben, aus der Partei aus. Kurz vor seinem erfolgreichen Studienabschluss in Psychologie wurde Fuchs auch von der Universität verwiesen. 1976, im Jahr der Biermann-Ausweisung wurde Fuchs schließlich verhaftet und in der Haftanstalt Hohenschönhausen mit Isolationshaft und unmenschlichen Verhörmethoden gefoltert.

Verfolgung und “Zersetzung” in Westberlin

Nach neun Monaten Haft wird er vom Westen freigekauft. Der Dichter läßt sich in Berlin-Tempelhof nieder und hält Kontakt zu Freunden und Gleichdenkenden in West und Ost. Doch seine Verfolgung ist im freien Westberlin keineswegs beendet, sondern die Stasi intensiviert ihre Anstrengungen, den Staatsfeind zu “zersetzen”. Insgesamt 40 “IMs” werden in den achtziger Jahren auf ihn angesetzt, die Protokolle seiner Verfolgung füllten sage und schreibe 25 Aktenbände, wie sich nach der Wende herausstellte. Der Großteil der Akten wurde jedoch noch von der Stasi nach der Wende vernichtet, offenbar enthielten sie höchst prekäre Informationen.

Eines jedoch ist sicher: Der lange Arm der Partei reichte weit in den Westen, wie der Fall Fuchs eindringlich beweist. Die Nachstellungen und Schikanen, mit denen man Fuchs in Westberlin geheimdienstlich konfrontiert gipfeln in einem Bombenattentat vor seinem Wohnhaus. Selbst vor offenen Mordanschlägen im westlichen Ausland scheute das DDR-Regime nicht zurück. Vor zehn Jahren verstarb Jürgen Fuchs - erst 48- jährig - an einer seltenen Blutkrebskrankheit. Der Verdacht liegt nahe, daß auch hier die Stasi ihre schmutzigen Hände im Spiel hatte.

Sein Hauptwerk: “Vernehmungsprotokolle”

Nach seiner Ankunft im Westen veröffentlichte Jürgen Fuchs den Band “Vernehmungsprotokolle”, eine Beschreibung aus eigener Anschauung, welche menschlichen Ungeheuerlichkeiten in den Gefängnissen der DDR-Arbeiterklasse verübt wurden. Diese Chronik erinnert an das Hauptwerk “Archipel Gulag” von Alexander Solschenizyn, einer Chronik der politischen Verfolgung im sowjetischen Russland.

Lesen Sie hier den Artikel über den Dichter Jürgen Fuchs im Tagesspiegel.



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  • Beatrix von Storch

    Menschenrechte,
    Demokratie,
    Gewaltenteilung

    Ein funktionierender Rechtsstaat ist die Grundlage für ein freies, friedliches und gerechtes Mit- einander. Wo der Rechtsstaat schwach ist greifen Willkür, Un- terdrückung, Raub und Gewalt um sich. Das können wir leider in vielen Regionen der Welt beob- achten. Aber auch in den de- mokratischen Staaten gibt es immer wieder Bedrohungen für den Rechtsstaat wie die schlei-
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    tumsrechten. Deshalb hat sich die Allianz für den Rechtsstaat
    e. V. zum Ziel gesetzt für den Rechtsstaat einzustehen und wo rechtsstaatliche Prinzipien aufge-
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    tum
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    schlossen. Dies betrifft das ehemalige Bürgertum und den Mittelstand der neuen Bundes-
    länder, ca. 2,2 Millionen Men-
    schen
    , die zwischen 1945-49 in der SBZ politisch verfolgt wurden und 1990 zu Gunsten der Staats- kasse beraubt und entrechtet wurden. Zu diesem Zweck wurde die Gewaltenteilung in Deutsch-
    land aufgehoben und die Öffent-
    lichkeit belogen.