Von Redaktion DerRechtsstaat.de

Mehrere Verbände der SED-DDR-Verfolgten, an ihrer Spitze die Union der Opfer kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG), wollen am heutigen Todestag von Benno Ohnesorg, am Denkmal vor der Deutschen Oper in der Berliner Bismarckstraße demonstrativ Kränze niederlegen.

„Wir wollen uns mit unserer demonstrativen Verneigung vor dem Opfer eines schiesswütigen Agenten der DDR-Staatssicherheit für die geschichtliche Wahrheit einsetzen,“ heißt es in einer gemeinsamen Erklärung der Vereinigung der Opfer des Stalinismus, der UOKG und weiterer Verbände.

Kurras war Insasse des sowjetischen Speziallagers Sachsenhausen

Besonders erschrocken „über die jüngsten Erkenntnisse“ zeigte sich die Arbeitsgemeinschaft Sachsenhausen, dem Zusammenschluss ehemaliger Insassen des Konzentrationslagers gleichen Namens, die dort nach dem Ende der Hitler-Diktatur unter oft abenteuerlichen Begründungen von den Sowjets interniert waren. Unter ihnen befand sich auch Heinrich George, der in Sachsenhausen verstarb und heute sein Ehrengrab in Berlin-Zehlendorf in Nachbarschaft zu einem Ehrengrab des langjährigen Stasi-Agenten und einstigen Politikers William Borm hat.

„Die Wahrheit hat uns sehr erschüttert,“ erklärte die Vorsitzende Victoria Heydecke. „Ein ehemaliger Insasse des Lagers wurde zum Todesschützen eines jungen Studenten, verdingte sich ausgerechnet dem berüchtigten Geheimdienst des DDR-Unrechtsstaates, unter dem viele Insassen weiter zu leiden hatten, nachdem sie von den Sowjets an die DDR-Behörden übergeben worden waren.“ Heydecke will sich darum „aus tiefer Überzeugung und im Gedenken an diesen tragischen Toten“ verneigen.

Wie der Initiator und Sprecher der Veranstaltung mitteilte, wollten die Stasi-Verfolgten am Todestag von Benno Ohnesorg „in geeigneter Form“ darauf aufmerksam machen, dass das Kunstwerk von Alfred Hrdlicka „wohl absichtlich und aus einem Zeitgeist heraus“ mit der unhistorischen martialischen Darstellung eines „geifernden Polizisten“ falsche Emotionen wecke. „Heute wissen wir,“ so der stv. Bundesvorsitzende der VOS, Carl-Wolfgang Holzapfel, „ dass es diesen geifernden Polizisten als Todesschützen ebenso wenig gab, wie zu dieser Zeit Helme für die Polizei. Diese wurden erst eineinhalb bis zwei Jahre nach dem Tod von Ohnesorg eingeführt.“

Anzeige gegen Kurras wegen Mordes erstattet

Die Verbände wollten sich auch unmissverständlich - eventuell auch durch eine Verhüllung des Denkmals - dafür einsetzen, dass die Inschrift auf der Tafel am Denkmal „den historischen Erkenntnissen des Jahres 2009 angepasst werde. Als Verfolgte und Opfer eines unmenschlichen Systems sind wir sensibel gegenüber den Lügen und historischen Verschiebungen von Leuten, die damit ihrer eigenen Lebenslüge nacheifern,“ erklärte Holzapfel, der als Vorsitzender der Vereinigung 17. Juni die Veranstaltung vor der Oper leitet und vor wenigen Tagen Anzeige „wegen Mordes“ gegen den damaligen Todesschützen erstattet hatte.

Die Inschrift der Gedenktafel lautet bisher:

“Am 2. Juni 1967 wurde der Student Benno Ohnesorg im Hof des Hauses Krumme Straße 66 während einer Demonstration gegen den tyrannischen Schah des Iran von einem Polizisten erschossen. Sein Tod war ein Signal für die beginnende studentische und außerparlamentarische Bewegung die ihren Protest gegen Ausbeutung und Unterdrückung, besonders in den Ländern der Dritten Welt mit dem Kampf um radikale Demokratisierung im eigenen Land verband.
Unter diesem Eindruck schuf Alfred Hrdlicka 1971 das Relief “Der Tod des Demonstranten”.
Dezember 1990″.



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  • Beatrix von Storch

    Menschenrechte,
    Demokratie,
    Gewaltenteilung

    Ein funktionierender Rechtsstaat ist die Grundlage für ein freies, friedliches und gerechtes Mit- einander. Wo der Rechtsstaat schwach ist greifen Willkür, Un- terdrückung, Raub und Gewalt um sich. Das können wir leider in vielen Regionen der Welt beob- achten. Aber auch in den de- mokratischen Staaten gibt es immer wieder Bedrohungen für den Rechtsstaat wie die schlei-
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    länder, ca. 2,2 Millionen Men-
    schen
    , die zwischen 1945-49 in der SBZ politisch verfolgt wurden und 1990 zu Gunsten der Staats- kasse beraubt und entrechtet wurden. Zu diesem Zweck wurde die Gewaltenteilung in Deutsch-
    land aufgehoben und die Öffent-
    lichkeit belogen.