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von Redaktion DerRechtsstaat.de

Der Vater von Wolfgang Schreiber wurde 1951 im sogenannten “Papiermacherschauprozeß” zu fünf Jahren Freiheitsstrafe und Vermögensentzug verurteilt. Die Papierfabrik der Familie wurde enteignet und man war gezwungen das Haus zu verkaufen und die DDR zu verlassen.  1992 erhielt Wolfgang Schreiber die Fabrik zurück, die allerdings keine Papierfabrik mehr war und sich in marodem Zustand befand. Dazu mußte er noch die Altschulden aus DDR-Zeiten mit Zinsen übernehmen, was in zu einer baldigen Aufgabe zwang.

Lesen Sie die Geschichte von Wolfgang Schreiber, die er in einer Petition an die Stadt Dresden niedergeschrieben hat:

Petition laut Artikel 53

“Sehr geehrte Damen und Herren,

Eine lange Geschichte werde ich Ihnen schreiben und diese Geschichte soll eine Petition sein.  Mein Vater, Karl Schreiber, hat 1932 die Medinger Papierfabrik gekauft und war Eigentümer bis 1950. Als er wegen Wirtschaftssabotage verhaftet wurde und im Dresdner Papiermacherschauprozeß zu fünf Jahren Haft und Vermögensentzug mit anderen Eigentümern von sächsischen Papierfabriken am 15. März 1951 verurteilt wurde. Siehe als Anlage die Kassation vom 15. Mai 1992. Laut Kasssationsschreiben hätte ich persönlich eine Entschädigung bekommen sollen, habe diese aber nicht bekommen, da angeblich das Gesetz geändert wurde?
Die Papierfabrik war ein gutgehendes Unternehmen, welches aus dem Verlust  und Gewinn Bericht aus dem Jahr 1949 hervorgeht.  Diesen Bericht kann ich, wenn es sein muß, bei Ihnen vorlegen. Die Fabrik hat gut verdient und war schuldenfrei.
Ich selbst habe zur Zeit der Verhaftung meines Vaters in Köthen Papiertechnik studiert, musste aber 1950 nach Westdeutschland flüchten, wo ich mit einem Stipendium mein Studium in München fortsetzen konnt und mein Ingenieur-Diplom im Juni 1953 erhielt.
Meine Mutter, Johanna Schreiber, blieb in der DDR, um meinem Vater irgendwie zu helfen, um aus der Haft entlassen zu werden. Sie war gezwungen aus der Not heraus ihr Haus in Radeburg zu verkaufen, damit sie Rechtsanwälte bezahlen konnte. Mein Vater wurde sehr krank 1953 vorzeitig aus der Haft entlassen und daraufhin flüchteten meine Eltern nach Westdeutschland, wo sie vom Härtefond leben mußten. Ich selbst ging nach meinem Studium mit einem Vertrag einer Papierfabrik nach Südamerika, da ich im grunde genommen heimatlos bin,  denn ich verbrachte meine gesamte Judend in Medingen und Radeburg. Mein Wunsch war die Papierfabrik meines Vaters zu übernehmen und studierte deshalb Papiertechnik.
Der Hausverkauf meiner Mutter aus der Not heraus war ein Spottpreis, welches drei Etagen hoch war und 19 Zimmer, zwei Badezimmer eingeschlossen, und eine Doppelgarage, Waschküche und großen Garten hatte und noch hat, für DM (Ost) 22.000 verkauft. Ich bin der Meinung, dass ein Zwangsverkauf hätte zurückgegeben werden müssen. Man hat meinen Eltern noch zum Vorwurf gemacht, dass sie ohne polizeiliche Abmeldung die DDR verlassen haben. Siehe Briefbeilage vom Landratsamt Kamenz.
Die Restkaufgeldsumme von 8.000 DM wurde nicht verzinst und man gab mir einen Ausgleich von 4.000 DM vor einigen Wochen zurück. Ist dies korrekt?? Siehe mein Schreiben vom 20.06.96 an das Landratsamt Kamenz z. Hd. Frau Herzog. Laut Kassation hat man mir die Papierfabrik am 10.9.92 mit einem enormen Schuldenberg und nicht mehr als Papierfabrik sondern Textiltapetenherstellung zurückgegeben. Man hat die Papiermaschine 1987 ausgebaut. Der Schuldenberg bestand aus Neuschulden mit DM 615.000 und Altschulden DM 218.300, die aber durch Zinszahlung bis zu meiner Ablösung auf DM 235.000 anstiegen.
Hier können sie ersehen, dass ich verpflichtet war, auf die Altschulden, also DDR-Schulden, Zinsen zu zahlen. Wie kann so eine Ungerechtigkeit möglich sein? Für die die DM 8.000 hat man mir keine Zinsen gegeben und den Betrag noch in 1:2 abgewertet.
Ich habe also den Betrieb wieder übernommen und glaubte fest daran, den Betrieb auszubauen und mich wieder in Medingen seßhaft zu machen. (Auch wollte ich meine Eltern und meinen gefallenen Bruder zum dortigen Friedhof umbetten lassen. Mein Vater liegt in Westdeutschland, meine Mutter in Kolumbien und mein Bruder in Rußland). Leider war es mir nicht vergönnt, den Betrieb auszubauen, denn die textiltapete hatte überhaupt keinen Absatz. Ich habe alles mögliche versucht nicht nur in Deutschland, sondern in allen Ländern Europas, USA, Japan, Asutralien, etc. die Tapete abzusetze, aber leider ohne Erfolg. So war ich gezwungen, denn Betrieb 1994 aufzugeben.
Es hat mich sehr viel Geld gekostet, aber ich wollte unbedingt nach Medingen zurück und dem Dorf diesen Betreib erhalten. Ich musste diesen Betrieb laut Treuhandanstalt mit 16 Arbeitskräften übernehmen.
Laut Vermögensgesetz hätte man mir DM 1.594.000 auszahlen müssen, hat aber nur eine Teilzahlung von DM 994.262 gegeben. Somit war ich angewiesen Eigenkapital zur Erhaltung des Betriebes hineinzustecken. Nur allein die Schuldlasz von 850.000 DM und die Personalkosten laut Verlust und Gewinnrechnung vom 19.12.92 DM 150.142 hat das Geld von DM 994.262 verschlungen. Es waren keine Reserven da, um den Betrieb zu erhalten und dies noch mit dem schlechten Absatz von Textiltapete.
Ich mußte den Betrieb anfang 1994 aufgeben. Die Auszahlung der Angestellten hat mich sehr viel Geld gekostet. Wie sie sehen, habe ich mich mit der Übernahme des Betriebs in die Nesseln gesetzt und es war mir nicht vergönnt unser Eigentum voranzutreiben. Hätte man die Papiermaschine nicht ausgebaut, wäre der Betrieb sicherlich in drei Schichten am Laufen.
Ich kann einfach nicht verstehen, wieso ich für die Altschulden aufkommen mußte. Man hat mir bei der Übergabe durch die Treuhandanstalt gesagt, dass diese Altschulden ganz bestimmt erlassen werden. Hätte man mir von vorneherein gesagt, dass diese nicht erlassen werden und noch dazu Zinsen gezahlt werden müssen, hätte ich nie das Übergabeprotokoll mit der Treuhand unterschrieben.
Ich wäre ihen sehr dankbar, meinen Brief zu studiern und mir mitzuteilen, ob mir die Zinsen auf die DM 8.000 des Hausverkaufs meiner Mutter erstattet werden. Und ob mir die Altschulden, die ich bei der DKB ablöste, um nicht noch mehr Zinsen zu zahlen, zurückerstattet werden.
Unser Eigentum hat total an Wert verloren, da man durch Vandalismus alle Inneneinrichtungen, Türen und Fenster  zerstört hat. Wir haben zwei Strafanzeigen gestellt, aber es scheint, dass die Polizei keinen Täter feststellen konnte. Wäre ich in Medingen geblieben, wäre dieser Vandalismus nicht geschehen, aber es war für mich und meine Familie unmöglich, da man beim Abbau der Papiermaschine alle Kachelöfen, die in den einzelnen Zimmern waren, abgerissen hat und Zentralheizung eingebaut hat. Diese aber wiederummit dem großen Dampfkessel der Fabrik betrieben wurde und einen täglichen Kohleverbrauch von fast einer Tonne benötigte. Auch der elektrische Strom war Industriestrom und viel zu teuer um dort zu wohnen. Alles war eben wie verhext. Somit bin gezwungen in Kolumbien, wo ich meine neue Heimat fand, zu bleiben.
Ich habe ihnen ungefähre den gesammten Werdegang beschrieben und somit hoffe ich, dass Sie meinen Fall studieren und mir ihre Meinung mitteilen.
Vielen Dank für ihre Mühewaltung

Wolfgang Schreiber



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  • Beatrix von Storch

    Menschenrechte,
    Demokratie,
    Gewaltenteilung

    Ein funktionierender Rechtsstaat ist die Grundlage für ein freies, friedliches und gerechtes Mit- einander. Wo der Rechtsstaat schwach ist greifen Willkür, Un- terdrückung, Raub und Gewalt um sich. Das können wir leider in vielen Regionen der Welt beob- achten. Aber auch in den de- mokratischen Staaten gibt es immer wieder Bedrohungen für den Rechtsstaat wie die schlei-
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    schlossen. Dies betrifft das ehemalige Bürgertum und den Mittelstand der neuen Bundes-
    länder, ca. 2,2 Millionen Men-
    schen
    , die zwischen 1945-49 in der SBZ politisch verfolgt wurden und 1990 zu Gunsten der Staats- kasse beraubt und entrechtet wurden. Zu diesem Zweck wurde die Gewaltenteilung in Deutsch-
    land aufgehoben und die Öffent-
    lichkeit belogen.